Hat dein Kind auch hin und wieder Probleme mit hartnäckiger Verstopfung? Wir möchten euch in diesem Artikel unsere besten Tipps und Tricks gegen Verstopfung bei Kindern verraten.

Wann spricht man von Verstopfung?

Eine eindeutige Definition von Verstopfung bei Kindern gibt es nicht. Jedes Kind hat unterschiedlich oft Stuhlgang und so lange es sich unauffällig dabei verhält, ist es auch kein Problem. Erst wenn der Stuhl fest, hart und trocken wird, von der üblichen Frequenz abweicht und dem Kind Probleme verursacht, sollten Eltern hellhörig werden.

Es empfiehlt sich nicht zu lange zuzuwarten und gleich zu handeln, da Verstopfung schnell zum Teufelskreislauf wird: Das Kind bekommt Verstopfung, hat Schmerzen, will nicht mehr drücken, hält den Stuhl zurück, die Verstopfung nimmt weiter zu usw.

Aber nicht nur harter Stuhlgang kann zum Problem werden. Auch Stuhlschmieren kann Anzeichen einer Verstopfung sein. Das ist trügerisch, weil die Kinder ständig kleine Mengen weichen Stuhl ausscheiden. Eltern können dann fälschlicherweise denken, es wäre alles in Ordnung. In Wahrheit steckt aber ein harter Klumpen Stuhl im Darm fest, an dem sich der weiche Stuhl vorbei drückt. Oft ist es dann so, dass die Kinder nicht mehr die Kontrolle über ihren Stuhlgang haben. Das merkt man beispielsweise, wenn Kinder ständig eine „Bremsspur“ in der Unterhose haben oder die Kinder auch beim Baden in der Badewanne unkontrolliert kleine Mengen an Stuhl absetzen. Besonders oft passiert das im Alter von 2-4 Jahren, wenn Kinder trocken werden.

Im folgenden möchten wir euch Hilfsmittel gegen chronische und akute Verstopfung aufzählen.

Alle Tipps, die wir euch hier nennen, haben wir selbst probiert und getestet. Jedes Kind reagiert jedoch unterschiedlich, weshalb es sich lohnt, die verschiedenen Dinge einfach auszuprobieren und sich vorsichtig heranzutasten.

Bei Medikamenten lest euch bitte immer vor der Anwendung die Packungsbeilage durch und fragt im Zweifelsfall immer euren Kinderarzt.

Hausmittel und Tipps gegen Verstopfung bei Kindern

Viel trinken

Am besten geeignet sind Wasser und ungesüßter Tee (z.B. Fenchel-Anis-Kümmeltee), welche dem Kind immer wieder angeboten werden sollen. Keinesfalls sollte man Kindern bei Verstopfung zuckerhaltige Säfte und Limonaden geben.

Viel Bewegung

Wenn möglich raus an die frische Luft und dafür sorgen, dass sich das Kind viel bewegt. Bewegung regt die Verdauung an.

Achtet auch darauf, dass die Kleidung locker sitzt. Hosen sollen am Bauch nicht einschnüren.

Gesunde, ballaststoffreiche Ernährung

Ballaststoffe sind unverdauliche Nahrungsbestandteile. Im Darm saugen sie Wasser auf und quellen, wodurch die Masse an Speisebrei vergrößert wird. Der Reiz, der dadurch auf die Darmwände ausgeübt wird, regt die Darmtätigkeit an. Die Verdauung funktioniert schneller und der Speisebrei verweilt nicht so lange im Darm. Je länger der Speisebrei im Dickdarm verweilt, umso mehr Wasser wird ihm entzogen. Die Konsistenz wird dadurch fester und der Stuhl kann nicht mehr so gut ausgeschieden werden.

Aber Vorsicht: zu einer ballaststoffreichen Ernährung gehört immer sehr viel trinken!

Beispiele für ballaststoffreiche Kost sind: Vollkornprodukte (Hafer, Dinkel, Gerste, Roggen), wie Vollkornbrot und Vollkornnudeln; Gemüse, Obst, Kartoffeln, Haferflocken, Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen).

Stuhlauflockernde Obstsorten sind: Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Zwetschken, Marillen, Pfirsiche, Kiwis, Orangen, Wassermelonen usw. 

Stopfendes Obst, wie Bananen, sind zu vermeiden.

Stuhlauflockernde Gemüsesorten sind: Spinat, Kohlgemüse, Kraut, Sauerkraut,  Fenchel, Kürbis, Zucchini, Brokkoli, Karfiol, Salat usw.

Manche Gemüsesorten, wie zB. Karotten, können stuhlfestigend wirken. Reis ist ebenfalls wenig empfehlenswert bei Verstopfung, da er Wasser zieht.

Gute Erfahrungen haben wir mit Naturjoghurt mit Obstmus oder Früchten und Overnight Oats gemacht.

Nüsse gelten allgemein als sehr gesund und ballaststoffreich und sollten in der Ernährung nicht fehlen. Bei kleinen Kindern muss natürlich darauf geachtet werden, die Nüsse zu mahlen, damit sie sich nicht verschlucken können.

Süßes muss unbedingt komplett vermieden werden.

Hilfe gegen Vestopfung
Süßes ist ein No-Go bei Verstopfung

Warmes Wasser

Ein Glas warmes Wasser morgens auf nüchternen Magen evtl. mit einem Schuss Essig kann der Verdauung auf die Sprünge helfen.

Naturtrüber Apfelsaft, Pflaumensaft, Heidelbeersaft und Feigensirup

Können die Verdauung zusätzlich ankurbeln.

In der Nähe von uns gibt es ein Heidelbeerfeld, wo direkt gepresster Heidelbeersaft ohne Zuckerzusatz angeboten wird. Heidelbeersaft wirkt bei unseren Söhnen stuhlauflockernd.

Kümmeltee

Auch Kümmeltee hilft ganz gut bei Bauchweh, in dem er die Verdauung anregt.

1 Teelöffel Kümmel mit 250ml kochendem Wasser aufgießen, 10 min. ziehen lassen.

Leinsamen, Weizenkleie, Flohsamenschalen

Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamenschalen können in kleinen Mengen (1 Teelöffel) zB. ins Müsli oder einfach unter das Essen gemischt werden.

Sehr wichtig ist dabei auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da sie im Darm aufquellen und ohne ausreichend Füssigkeit schnell ins Gegenteil umschlagen.

Wir geben Leinsamen täglich in unser Frühstücksmüsli.

Färberdistelöl

Bei Verstopfung kann man einen Teelöffel Distelöl in das Essen mischen oder bei Babys in den Brei rühren.

Trockenfrüchte

Trockenfrüchte, wie Pflaumen und Aprikosen, sind besonders ballaststoffreich.

Wir machen das immer so: Trockenpflaumen über Nacht in Wasser einweichen und am nächsten Morgen klein geschnitten in das Müsli geben. Das verleiht dem Müsli eine angenehme Süße und schmeckt auch lecker. Zudem kann das Einweichwasser auch getrunken werden.

Bauch -und Fußmassage

Den Bauch des Kindes in kreisenden Bewegungen massieren. Wichtig ist, dass man, wenn man vor dem Kind steht, links unten im Uhrzeigersinn anfängt und rechts über den Oberschenkel ausstreicht. Andernfalls kann man die Verdauung  irritieren.

Den Kleinen hilft es auch, die Beinchen anzuwinkeln und „Fahrrad zu fahren“.

Bei unseren Kindern hat es auch gut geholfen, wenn wir die Punkte ca. 2 Finger breit links und rechts neben dem Nabel in kreisenden Bewegungen massiert haben.

Warmes Körnerkissen

Ein warmes Körnerkissen (Kirschkernkissen oder Kissen mit Getreidefüllung) kann zur Entspannung und Linderung der Bauchschmerzen beitragen.

Vorsicht, das Kissen wird durch Aufwärmen in der Mikrowelle oder im Backofen schnell zu heiß!

Warmes Bad

Ein wohlig warmes Bad trägt zur Entspannung bei und entkrampft den Bauch.

Muttermilch

Hat man ein kleines Geschwisterbaby zuhause, kann man ein kleines Glas Milch ausstreichen und dem Kind zu trinken geben. Wir haben es selbst ausprobiert. Muttermilch stimuliert die Verdauung und weicht den Stuhl auf.

Wenn Hausmittel nicht mehr helfen – Medikamente gegen Verstopfung bei Kindern

Milchzucker (Laktose)

Milchzucker bzw. Laktose ist ein Zweifachzucker, der in der Milch enthalten ist. Bei der Verdauung wird er durch das Enzym Laktase in Glucose und Galactose aufgespalten. Er ist in Apotheken und Drogerien erhältlich.

Was die Dosis betrifft, muss man ausprobieren, wie die Kinder darauf reagieren. Wichtig ist, sich vorsichtig heranzutasten, da Milchzucker auch zu schmerzhaften Blähungen führen kann. Man kann mit einem gestrichenen Teelöffel pro Tag starten, die Reaktion des Kindes beobachten und die Menge gegebenenfalls steigern. Manche Kinder reagieren sofort darauf, andere weniger.

Laktulose

Laktulose ist ein synthetischer Zweifachzucker, der aus Milchzucker hergestellt wird und besteht aus Galactose und Fructose.

Sie wirkt abführend und präbiotisch auf die Darmflora. Präbiotisch heißt, dass Wachstum und Aktivität der Bakterien im Dickdarm durch die unverdaubare Laktulose gefördert werden. Die Verdauung wird angeregt und der Stuhl wird aufgeweicht.

Laktulose gibt es von verschiedenen Herstellern und ist in Apotheken erhältlich.

Präbiotika und Probiotika

Präbiotika dienen als Nahrungsquelle für die Bakterien im Darm. Nützliche Darmbakterien können sich dadurch weiter vermehren.

Probiotika enthalten lebende Bakterienstämme, die in einer gesunden Darmflora vorkommen.

Präbiotika und Probiotika werden meist bei einer gestörten Verdauung, wie nach  Magen-Darm-Infekten, Antibiotikabehandlungen und daraus resultierender chronischer Verstopfung empfohlen, um die Darmflora wieder aufzubauen und die Verdauung wieder in Schwung zu bringen. Dann sollte man sie über einen längeren Zeitraum einzunehmen, damit sich die Verdauung wieder einpendeln kann.

OptiFibre (Nestle)

Optifibre ist ein rein pflanzliches Pulver, das aus den getrockneten Samen der Guarbohne gewonnen wird. Die darin enthaltenen Ballaststoffe werden von den guten Bakterien im Darm als Nährstoff verwendet, wodurch sie sich weiter vermehren können. Die Darmtätigkeit wird so auf lange Sicht und auf natürliche Weise unterstützt.

Optifibre verwenden wir schon seit längerer Zeit immer wieder. Gerade wenn unsere Söhne wieder einmal Phasen haben, in dem sie wenig Lust auf Gemüse und wenig Ballaststoffe haben, mischen wir das geschmacksneutrale Pulver einfach ins Müsli oder in die Suppe, um die Verdauung zu unterstützen.  Für akute Vrestopfung ist es allerdings nicht geeignet.

Omni Logic Fibre (Allergosan)

Vor noch nicht allzu lange Zeit sind wir auf Omni Logic Fibre aus dem Hause Allergosan gestoßen. Es besteht aus Maisdextrin (resistent) und Guarkernmehl (teilhydrolysiert) und basiert ebenso auf dem Wirkungsprinzip der Ballaststoffe. Unsere Darmbakterien benötigen Ballaststoffe zum einen als Nahrungsgrundlage. Zum anderen können sie Verstopfung und Durchfall entgegenwirken und die Verdauung regulieren.

Das Pulver ist geschmacksneutral und lässt sich gut in ins Essen (z.B. Müsli, Porridge, Overnight Oats…) mischen für eine ballaststoffreichere Ernährung bei chronischer Verstopfung.

Dulcosoft (Sanofi)

Dulcosoft ist ein Macrogol-Präparat. Macrogol ist eine Substanz,, die Wasser aufnimmt und es in den Darm transportiert, wo der Stuhl aufgeweicht wird. Das Stuhlvolumen nimmt zu, wodurch die Verdauung angeregt wird.

Die Lösung wirkt innerhalb eines Tages oder 24-72 Stunden nach der Einnahme und ist für Kinder ab einem Alter von 2 Jahren geeignet.

Mit Dulcosoft haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel, als unser Großer im Alter von knapp drei bis vier Jahren immer wieder Phasen hatte, in der er nur recht wenig trinken wollte. Nachdem er dann 3 Tage keinen vernünftigen Stuhlgang hatte, war er den ganzen Tag am pressen und ging immer wieder in die Hocke. Hausmittel haben nichts mehr gebracht, weshalb wir schnell handeln mussten.

Die Wirkung von Dulcosoft hat immer ziemlich genau 24 Stunden später ohne Schmerzen und ohne Krämpfe eingesetzt. Es hat den Stuhl einfach aufgeweicht und unser Sohn konnte sein Geschäft wieder normal verrichten. Eine tolle Sache, weil auch kein Gewöhnungseffekt eintritt. Es ist mittlerweile eines unserer Lieblingsmittel bei hartnäckiger Verstopfung.

Dulcosoft
Dulcosoft – wirksam gegen hartnäckige Verstopfung

Zäpfchen gegen Verstopfung

Zäpchen haben den Vorteil, dass sie direkt ‚am Ort des Geschehens‘ eingreifen, weshalb sie bereits 15-30 min. nach Verarbreichung wirken. Die folgenden Zäpfchen sind schon ab Babyalter geeignet.

Glycerinzäpfchen

Glycerinzäpfchen machen den Stuhl gleitfähiger und lösen so die Verstopfung.

Kohlendioxidzäpfchen (CO2)

Durch Einführen des Zäpfchens wird im Enddarm Kohlendioxid freigesetzt, welches den Entleerungsreflex anregt. Die Zäpfchen sind nebenwirkungsfrei und ohne Gewöhnungseffekt.

Eine Familie aus unserem Freundeskreis hat uns kürzlich von ihrer positiven Erfahrung mit Glycerinzäpfchen erzählt. Sie haben die Zäpfchen in der Zeit der Beikosteinführung angewandt, da ihre Tochter auf die Beikost mit totaler Verstopfung reagierte. Mit Glycerinzäpfchen haben sie die Verstopfung zum Glück schnell wieder in den Griff bekommen und konnten daraufhin den Ernährungsplan ihres Babys anpassen.

Miniklistier

Wenn es sich bei unseren Kindern um eine richtig grobe Verstopfung handelt, verwenden wir einen Miniklistier, den man in den After des Kindes einführt. Im Miniklistier befindet sich eine Lösung, die den Stuhl aufweicht und meist schon 5-20 min. nach Verabreichung wirkt.

Miniklistiere sind unser Retter in der Not. Bei unserem Großen kam es bereits zwei Mal zur Anwendung. Das erste Mal bei einer massiven Verstopfung nach einem Magen-Darm-Infekt und das zweite Mal in der Phase des Trockenwerdens, als er den Stuhl so lange zurückgehalten hat, bis daraus eine richtig hartnäckige Verstopfung entstand und das Miniklistier uns den Weg zum Arzt und damit den Einflauf erspart hat.

Einlauf beim Arzt

Als letzte Instanz bleibt nur noch der Gang zum Arzt, der einen Einlauf zur Darmetleerung durchführt.

Zusammenfassung

Verstopfung bei Kindern ist immer ein ungutes Thema.

Glücklicherweise gibt es viele Hausmittel und Medikamente, um die Verstopfung selbst in den Griff zu bekommen.

Die Gründe für Verstopfung bei Kindern sind vielfältig. In unserem Fall waren es ein Magen-Darm Infekt, Zurückhalten des Stuhls in der Phase des Trockenwerdens und es gab Zeiten, wo unser Großer einfach jegliches Gemüse verweigert und zu wenig getrunken hat.

Das Ziel sollte zwar immer eine Lösung des ursprünglichen Problems sein: etwa wenn die Verstopfung auf einseitige Ernährung beruht, indem man versucht, die gesamte Ernährung des Kindes auf langfristige Sicht umzustellen.

Bei Kindern ist das aber oft nicht so einfach und so kommt es meist schneller als einem lieb ist zur unangenehmen Verstopfung.

Dann probiert man die verschiedenen Hausmittel, die zwar oft eine Hilfe sind, aber eben nicht immer.

Die oben genannten Medikamente gehören also für uns in die Hausapotheke, gleich wie Nasentropfen oder Halswehtabletten. Bis jetzt konnten sie uns immer den Einlauf beim Arzt ersparen. Und welches Kind lässt schon freiwillig einen Einlauf über sich ergehen…?

verstopfung bei kindern
Verstopfung lösen mit den richtigen Hilfsmitteln

Quellenangabe und weiterführende Links:

https://www.optifibre.at/?gclid=CjwKCAjwmMX4BRAAEiwA-zM4Jm_gGLjSZsilaKD2PI_a2y4yfWCtGM00MqURthCH1eIh7vnIwS6tIRoCRL0QAvD_BwE

http://www.ernaehrung.de/tipps/obstipation/obsti13.php

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ballaststoff

https://www.kohlendioxid-gegen-verstopfung.de

https://www.netdoktor.at/medikamente/laevolac-lactulose-konzentrat-orale-loesung-273932

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