Heute möchten wir euch unsere Erfahrung mit Reflux bei Babys schildern. Unser Kleiner hatte in seinen ersten Lebensmonaten damit zu kämpfen. Es ist eine Zeit, an die wir nicht gerne zurückdenken. Außerdem möchten wir euch unsere hilfreichsten und besten Tipps und Tricks im Umgang mit Reflux bei Babys zeigen, die uns den Alltag enorm erleichtert haben.

Wie begann der Reflux bei uns?

Es begann in der Nacht direkt nach der Geburt im Krankenhaus, als unser Kleiner, Wumbi, plötzlich so schwallartig erbrach, dass es mich in Schrecken versetzte. Er rang nach Luft, hustete und ich läutete natürlich sofort nach der Schwester.

Sie nahm ihn hoch und wischte über seinen Rücken, bis er sich beruhigt hatte. Sie teilte mir mit, dass es höchstwahrscheinlich das Fruchtwasser war, dass sich noch in seinem Atemtrakt befand.

Aber es hörte nicht auf. In der Nacht übergab er sich nach jeder Stillmahlzeit schwallartig, hustete und rang nach Luft. Wir machten kein Auge zu.

Die Schwester empfahl uns, das Kopfende des Bettes höher zu stellen, aber es brachte kaum Besserung. Ich zog Wumbi in dieser ersten Nacht drei mal komplett neu an, weil sein ganzes Gewand von oben bis unten durchnässt war.

Ich war total fertig und machte mir Sorgen. Im Krankenhaus sprach ich mit verschiedenen Schwestern, die meinten: Speihkinder sind Gedeihkinder. Das Ganze würde von selbst vorüber gehen. Außer täglich die Waschmaschine laufen zu lassen, könne man da nicht viel tun.

Na gut. Am dritten Tag verließen wir das Krankenhaus und gingen nach Hause. Nach einigen Tagen kam die Nachbetreuungshebamme zu uns und ich schilderte ihr unsere Probleme mit dem Erbrechen. Dort erwähnte sie das erste Mal Reflux.

Was ist Reflux bei Babys?

Gastro-ösophagealer Reflux ist das Zurückfließen von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre. Die meisten Säuglinge spucken in der Anfangszeit, was aber nicht zu verwechseln ist mit krankhaftem Reflux.

Was ist der Unterschied zum normalen Spucken?

Als „krankhaft“ wird der Reflux erst bezeichnet, wenn er dem Baby Probleme bereitet.

Wir hatten ja mit Bubu und Wumbi einen direkten Vergleich.

Bei Bubu kam hin und wieder nach dem Stillen etwas hoch. Das normale Spucktuch hat aber gereicht – es war keine große Menge.

Wenn bei Wumbi hingegen etwas hochkam nach dem Stillen, dann richtig viel und zwar in weitem, hohen Bogen, ca. 1,5 m weit, eine richtige Fontäne.

Reflux Babys

Woran kann man Reflux bei Babys erkennen?

  • Häufiges Erbrechennach dem Trinken, oft in hohem Bogen (schwallartig)
  • Probleme beim Trinken, Schluckbeschwerden
  • Unruhiges Verhalten nach dem Trinken
  • Schreien ohne erkennbare Ursache
  • Husten
  • Überstrecken von Kopf und Oberkörper beim oder nach dem Trinken
  • Verschlechterung der Beschwerden im liegen, vor allem nachts
  • Unzureichende Gewichtszunahme

Wie kommt es zu Reflux bei Babys?

Reflux kann mehrere Ursachen haben.

Funktioneller Reflux

Eine häufige Ursache ist, dass der Schließmuskel, der den Magen von der Speiseröhre trennt, noch nicht richtig ausgeprägt ist. Hinzu kommen anatomische Gründe. Je älter das Baby wird, desto eher „verwächst“ sich dieses Problem von selbst.

So war es auch bei uns.

Sekundärer Reflux

Dann gibt es noch den sekundären Reflux, bei dem andere Erkrankungen die Ursache für den Reflux sind. Beispiele dafür sind: Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen oder Magen-/Darmkrankheiten.

Wann muss man einen Arzt aufsuchen?

Generell solltet ihr euren Kinderarzt immer über die Symptome eures Babys informieren. Nur er kann feststellen, ob es sich um Reflux handelt und ob man einschreiten und handeln muss. Das Spucken kann schließlich auch andere Ursachen haben.

In jedem Fall sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn das Baby nicht ausreichend zunimmt. Wir haben uns eine Babywaage angeschafft, um nicht jede Woche zum Kinderarzt fahren zu müssen.

Wumbi hat zwischenzeitlich zwar nicht so viel zugenommen wie andere Babys, war aber zum Glück noch im Rahmen. Das heißt, wir mussten nicht auf eine Spezialnahrung umsteigen und konnten weiter stillen. Unser Kinderarzt hatte aber immer ein Auge auf sein Gewicht.

Das Stillen war in dieser Zeit sehr anstrengend und es gab nur zu oft Momente, in denen ich dachte, wir werfen das Handtuch, aber wir haben durchgehalten und darüber bin ich jetzt im Nachhinein wirklich froh.

Hilfe bei Reflux

Der Reflux verschwindet in den meisten Fällen bis zum 1. Geburtstag von selbst.

Oft bessert sich er sich ab dem Beikoststart, da der Brei eine dickflüssigere Konsistenz hat und dieser nicht so leicht in die Speiseröhre zurückfließen kann.

Bei uns hat es ca. 4 Monate gedauert, bis sich eine Besserung gezeigt hat. Das Speien ist nach und nach weniger geworden, ebenso die Koliken und das Schreien.

Geschwisterliebe

Unsere besten Tipps bei Reflux

Aufrecht lagern

Es hat uns super geholfen, Wumbi sowohl beim als auch nach dem Trinken so lange wie möglich aufrecht zu lagern. Dabei die Füße möglichst nicht anwinkeln.

Aufstoßen lassen

Nach den Mahlzeiten immer aufstoßen lassen und das Bäuerchen abwarten. Bei Wumbi hat es manchmal ewig gedauert, bis das Bäuerchen hochgekommen ist. Haben wir es versäumt, ließ die nächste Fontäne nicht lange auf sich warten.

Am besten hat es funktioniert, wenn wir ihn auf unseren Schoß gesetzt haben (Beine nicht zu angewinkelt) und seinen  Oberkörper langsam kreisend bewegt haben.

Windeln nicht zu eng

Die Windeln sollten nicht zu eng angezogen werden, da es sonst den Mageninhalt nach oben drückt.

Keilkissen

Wir haben Wumbi ein Keilkissen gegen Reflux gekauft. Dadurch werden Kopf und Oberkörper erhöht gelagert und dem Reflux entgegenwirkt. Da haben wir ihn sowohl am Tag als auch nachts draufgelegt.

Aber Vorsicht: Bei den Keilkissen muss man aufpassen, dass sich die Kleinen nicht seitlich drehen oder runterstrampeln. Durch die Neigung purzeln sie schnell auf den Bauch, sodass Erstickungsgefahr droht. Lasst eure Babys bitte nicht alleine mit dem Kissen.

Mittlerweile gibt es viel Auswahl an Keilkissen und damit auch welche, bei denen man das Baby anschnallen kann, damit es nicht runterrollen kann. Alternativ kann man auch einen Ordner  oder gefaltete Handtücher am Kopfende unter die Matratze legen. 

Matratzenschoner

Um die Matratze vor der Nässe zu schützen, haben wir einen wasserdichten Matratzenschoner zwischen Matratze und Leintuch gegeben.

Mehrere kleinere Mahlzeiten

Wir haben das Stillen auf mehrere, dafür kleinere Mahlzeiten aufgeteilt. Das hat Wumbi besser vertragen.

Milchspendereflex

Manche Mütter haben einen sehr starken Milchspendereflex beim Stillen. Das Baby muss dann sehr schnell und hastig trinken, sodass sich schnell viel Milch im kleinen Magen ansammelt, was den Reflux wiederum begünstigt.

Es kann also helfen, nach Einsetzen des Milchspendereflexes etwas zu warten, oder die erste Milch auszustreichen.

Bei uns war es leider auch so. Wumbi kam mit dem Trinken anfangs überhaupt nicht zurecht. Er verschluckte sich ständig und musste husten. Der Tipp hat uns gut geholfen.

Anti-Reflux Spezialnahrung

Ist der Reflux so ausgeprägt, dass das Baby nicht zunimmt, kann man auf eine Anti-Reflux Spezialnahrung umsteigen.

Dieser Spezialnahrung sind natürliche Quellstoffe zugesetzt, die die Nahrung eindicken, wodurch sie besser im Magen bleibt und der Rückfluss in die Speiseröhre verhindert wird. Mittlerweile bieten so gut wie alle Hersteller für Babynahrung Anti-Reflux Spezialnahrung an.

Wie sah unser Alltag mit Reflux aus?

Wie von den Krankenschwestern richtig prophezeit, lief die Waschmaschine jeden Tag. Mullwindeln, Lätzchen, Leintücher und Gewand konnten wir gar nicht genug haben.

Wumbi schlief mit uns im Familienbett. So hatten wir immer eine Auge auf ihn und konnten sofort reagieren.

Was Schlafsäcke für die Nacht betrifft, hätten wir vermutlich mindestens drei Stück pro Nacht gebraucht. Wumbi schlief also auch in seinen normalen Anziehsachen.

Wumbi schrie viel und wollte die meiste Zeit getragen werden. Er verbrachte also die meiste Zeit auf unseren Armen. Es war wirklich eine anstrengende Zeit.

Stoffwindeln Reflux
Stoffwindeln konnten wir nicht genug haben

Zusammenfassung

  • Gastro-ösophagealer Reflux bei Babys kommt gar nicht so selten vor.
  • Er ist von normalem Spucken, das immerhin die meisten Babys betrifft, zu unterscheiden.
  • Je nach Ursache gibt es verschiedene Arten von Reflux.
  • Nicht immer ist es sofort notwendig, auf Anti-Reflux Spezialnahrung umzusteigen.
  • Informiert euren Kinderarzt, haltet vor allem das Gewicht eures Babys im Auge und hört auf euer Bauchgefühl.

Aber vor allem möchten wir euch sagen: Bitte haltet durch. In 90 % der Fälle verschwindet der Reflux innerhalb des ersten Lebensjahres von selbst. Alles in allem sind wir unendlich froh, dass wir diese Zeit überstanden haben und das Stillen beibehalten konnten!

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